Nicht wirklich überzeugend: 5211 - Azul Edition

  • 5211 - Azul Edition


    Das Kartenspiel 5211 von Tsuyoshi Hashiguchi (Next Move Games) ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Ich hatte es nie beachtet, bis für dieses Jahr die "Azul Special Edition" des Spiels angekündigt wurde. Zur Komplettierung der Azul-Sammlung habe ich es schon im Winter vorbestellt. Vor wenigen Wochen ist die Azul Edition dann erschienen und wir haben sie inzwischen in einer Zweier- und einer Fünfer-Runde getestet.


    Der Name des Spiels erklärt schon die Spielweise. 5211 = "Fünf-zwei-eins-eins" heißt: Fünf Karten auf der Hand, im ersten Zug zwei Karten ausspielen und in den folgenden beiden Zügen je eine Karte. Das Thema "portugiesische Azulejos" ist hier allerdings vollkommen aufgesetzt. Die Karten müssten nicht stolze 100 x 70 mm groß sein und könnten auch nur in den fünf verschiedenen Farben und mit den Zahlenwerten eins bis sechs daherkommen. Selbst der portugiesische Hahn mit Wert "1" ist nur eine ganz kleine Hommage an das "Heimatland der blauen Fliesen". Außerdem sind die Kartenrückseiten (= Grafik der Schachtel) deutlich attraktiver gestaltet als die Vorderseiten: Das ist selten (und leider ziemlich lieblos gemacht)…



    Die Funktionsweise von 5211: Die Spieler legen die auszuspielende(n) Karte(n) stets verdeckt vor sich ab, drehen sie gleichzeitig um und platzieren sie offen in die eigene Auslage. Danach wird die Kartenhand sofort auf fünf Karten aufgefüllt. Am Ende jedes Durchgangs (= vier ausgespielte Karten pro Teilnehmer) wird gewertet. Zunächst werden die Hahn-Karten aller Spieler auf eine mögliche "genaue Zahl" überprüft. Ist diese erreicht (bei drei Spielern z.B. fünf Hahn-Karten), werden sie mit je 1 Punkt gezählt. Falls nicht, zählen die Karten in der am häufigsten vorkommenden Farbe. Aber es gibt zwei wichtige Einschränkungen: "Desaster" oder Gleichstand bei der Farben-Mehrheit. Sollte die zulässige Zahl - abhängig von der Spielerzahl - der häufigsten Farben erreicht oder überschritten werden, hat man ein "Desaster" produziert: Die Karten zählen nicht! Auch beim Gleichstand zählen die beiden häufigsten Farben nicht und wandern auf den Ablagestapel. So werden die möglichen Punkte quasi in jeder Runde minimiert. Eine gewisse Frustrationstoleranz ist notwendig...


    Die einfachen Regeln täuschen darüber hinweg, dass in 5211 keine wirkliche Spielstrategie anwendbar ist. Es ist im Grunde ein reines Glücksspiel. Teilweise werden von den Akteuren die Farben über das zulässige Limit getrieben, ohne es wirklich zu wollen (und dies im Fünf-Personen-Spiel leider sehr häufig) oder die Hahn-Karten werden bewusst so ausgelegt, dass nur wenige Punkte generiert werden. Nach dem ersten Testspiel zu zweit hatten wir auf eine Fünfer-Runde gehofft, die mehr Spannung bringen könnte. Weit gefehlt: Zu fünft tat sich ein eher langweiliges "Kartengelege" (mit latenten Versuchen, zu taktieren) auf. Daher kann ich es nicht einmal guten Gewissens als "Einsteiger" oder "Absacker" einer Spielerunde empfehlen.


    Eine noch zu testende Alternative von 5211 wäre das "echte" Glücksspiel: Jeder Spieler hat fünf Karten verdeckt vor sich liegen und spielt stets "blind" aus. Durch dieses nur vom Zufall beeinflusste Ergebnis könnte es durchaus ein wenig mehr Spaß machen. Ein ähnliches Spielprinzip (Hanabi) wurde ja schon Spiel des Jahres. Hat mich persönlich aber auch nicht überzeugt...


    Insgesamt verdient das Spiel zu fünft leider nur zwei von sechs Würfelaugen (im Spiel zu zweit tendiere ich zu drei Würfelaugen). Vor einem geplanten Kauf sollte man 5211, wenn möglich, auf jeden Fall einmal probespielen!

    Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennen lernen, als im Gespräch in einem Jahr. [Platon]

  • Wir hatten das Spiel in der letzten Dettinger Runde auch zu viert gespielt und ich konnte in der ersten Runde viele, in der zweiten doch einige Punkte für mich herauskitzeln. Ich kannte das Spiel vorher gar nicht und mir hat es sehr gut gefallen, so daß ich es mir auch kaufen möchte. Wir haben es ja auch gleich zwei mal gespielt. Also fanden es auch die anderen nicht schlecht. Ich finde es als Aufwärmer oder Absacker in Ordnung.

    Zu den Kritikpunkten:

    - Ja, das Spiel ist recht glückslastig (halt ein Kartenspiel), aber dennoch beeinflußbar.

    - Ja, die Farben (besonders gelb und auch grün) hätten besser gewählt werden können. Ich würde mir wahrscheinlich trotzdem die Azulversion kaufen.


    Ich gebe dem Spiel gute 4 von 6 Punkten

    Falls jemand also ein unbeschädigtes, gebrauchtes Spiel mit einem kleinen Nachlaß loswerden möchte....