Rezension: My City

  • Am Montag dieser Woche wurde das Legacy-Spiel My City von Dr. Reiner Knizia einer breiten Masse bekannt, denn es erschien auf der Nominierungsliste für das Spiel des Jahres 2020. orden Am Donnerstag haben wir die ersten drei (von 24) Partien gespielt, daher ist jetzt ein ganz guter Zeitpunkt für eine Rezension - nämlich, ohne "spoilern" zu müssen bzw. schon wirklich zu können.



    Was ist überhaupt ein "Legacy-Spiel"?

    Das Spiel entwickelt sich in jeder Partie weiter. Neue Regeln bzw. Anforderungen kommen hinzu, der Spielplan wird z.B. durch Aufkleber, Markierungen oder Notizen ergänzt (und dadurch immer komplexer) und es kommt in einigen Kapiteln - wie sie bei My City heißen - neues Material ins Spiel. Nachteil eines Legacy-Spiels ist, dass man es i.d.R. nur einmal komplett spielen kann. Bei My City dauert das aber durchaus: Ca. 30 Minuten pro Spiel ergibt ca. 90 Minuten pro Kapitel - schon kommt man auf eine Gesamtspieldauer von etwa zwölf Stunden! Hat man alles durchgespielt, warten die Spielplan-Rückseiten auf "Das ewige Spiel": Wie ich finde, sehr nett gemacht. Dadurch ergibt sich ein gewisser Reiz, My City noch einmal auf den Tisch zu bringen.


    Kurz ein paar Fakten zum Spiel:

    My City ist geeignet für zwei bis vier Spieler ab 10 Jahren. Es besteht aus acht Kapiteln zu je drei Spielen (= 24 Spiele). In der quadratischen Schachtel befinden sich 4 beidseitig verwendbare Spielpläne, 96 Legeteile (Gebäude), 24 Baukarten, 4 Zählsteine, 8 verschlossene Umschläge mit Überraschungen und die Spielregel.


    Grundsätzliches Spielprinzip:

    In jeder Runde wird die oberste Baukarte vom verdeckten Stapel aufgedeckt. Jeder Spieler nimmt sein auf der Baukarte abgebildetes Gebäude und legt es gemäß den - relativ einfachen - Bauregeln auf seinen Spielplan. Z.B. muss das erste Gebäude am Fluss liegen und alle weiteren Gebäude müssen so gelegt werden, dass sie mit mindestens einer Seite an ein anderes Gebäude angrenzen. Das Überbauen von Steinen ist dabei hilfreich, weil Minuspunkte vermieden werden. Bäume sollten dagegen nicht "gefällt" (überbaut) werden: Das gibt Pluspunkte. Leere, also nicht überbaute, Felder verursachen ebenfalls Minuspunkte. Nachdem alle Spieler ihre bis zu 24 Gebäude gebaut (oder das Spiel vorher für sich beendet) haben, erfolgt die Wertung.



    Einschätzung (bezieht sich nur auf das bisher gespielte Kapitel 1):

    Der Einstieg ins Spiel ist leicht, zumal die Spielregel fast alles gut erklärt. Die Regeländerungen von Spiel zu Spiel sind dann tatsächlich nicht übertrieben schwierig zu verinnerlichen. Aber die Anforderungen ans Bauen werden immer höher! Am Ende jedes Spiels erhalten die "Städtebauer" je nach Platzierung Punkte (die werden bei My City "Fortschritte" genannt), Sticker oder beides. Etwas problematisch ist die Positionierung der Sticker auf den dafür zugelassenen Feldern: Hier hätte ich mir in den Zusatzregeln deutlichere Hinweise gewünscht, ob sie denn nun auf "hellgrün" und/oder "dunkelgrün" geklebt werden dürfen. Wir haben nach dem ersten Spiel daher fast alle "umkleben" müssen... Eine gewisse Menge an Ersatzstickern hätte dem Spiel gut getan und es nicht wirklich teurer in der Produktion gemacht.


    Die angegebene Dauer von 30 Minuten pro Spiel ist realistisch. Durch den Versuch aller Spieler, permanent zu optimieren und die für das aktuelle Spiel stets neuen Siegpunktmöglichkeiten optimal zu nutzen, ergeben sich oft längere Grübeleien. hmm Vielleicht kommt ja in einem der folgenden Kapitel eine Sanduhr aus dem Umschlag?


    Die Fortschrittspunkte lagen in unseren drei Spielen bei allen relativ dicht beieinander. Dadurch ergibt sich bisweilen ein Ärgerfaktor, wenn man es mit z.B. 27 Punkten nur auf Platz drei schafft, während 28 oder 30 Punkte für die Plätze zwei und eins gereicht hätten. Womöglich ändert sich das aber in den folgenden Kapiteln?


    Das Spiel hat in unserer Runde viel Spaß gemacht und auch für die eine oder andere Grübelei gesorgt. Ich persönlich finde das Spielprinzip und den sich entwickelnden persönlichen Spielplan ziemlich ansprechend - und bin gespannt auf die nächste My City-Runde, dann mit dem Kapitel 2...

    Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennen lernen, als im Gespräch in einem Jahr. [Platon]

  • Ich hatte am Wochenende ebenfalls die Möglichkeit, My City zu spielen. Und auch mir gefällt es richtig gut, Es war überhaupt kein Problem, beim dritten Kapitel einzusteigen, ohne die ersten beiden Kapitel gespielt zu haben. Ich freue mich schon auf die nächsten Partien.

  • Wir haben gestern bis einschließlich Kapitel 5 gespielt. Und es war immer noch super. Das Niveau wechselt von Kapitel zu Kapitel. Kapitel 4 fanden wir alle schon grübellastig. Kapitel 5 hat sich dann wieder leichter gespielt. Und vor jedem Kapitel die Spannung was kommt als nächstes aus dem Umschlag. Ich finde dieses Spiel einfach genial.

  • Ich kann das nur bestätigen, in der ersten Runde dachte ich noch, irgenwie wieder so ein Hausbau Blättchen Legespiel, aber ruck zuck kommt der Suchtfaktor und es macht total viel Spaß. ^^

    "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, (Friedrich Schiller, 1759-1805)